Handmade Liebling: Maxikleid für den Herbst

Maxidress by Tweed & Greet

Mit 15 hatte ich zwei Maxikleider aus Jersey. Eins in dunkelblau mit engem Rippenshirt (sagt man das heute überhaupt noch?) und flatterndem Rock und ein schwarzes mit dem gleichen Schnitt aber durchgängig geknöpft. Und ich hab sie sehr geliebt! Sie waren perfekt für die Schule, kombiniert mit flachen Sandalen oder Sneakers. An sie musste ich oft denken, als ich mir dieses Kleid nähte. Woran ich noch denken musste? Dass zwischen mir und den beiden Kleidern schon 20 Jahre liegen. Ernsthaft? Oh Dear!

Die Schwäche für Maxikleider ist insgeheim geblieben. Für mich standen sie allerdings irgendwann auf gleicher Ebene mit Jumpsuits. Bei anderen toll, bei mir selbst eher: Hmm, Stoff zu dünn, Schnitt zu weit oder viel zu eng. Das richtige Maxikleid lief mir einfach nicht vor die Füße.

Also: Selbernähen. Ich hatte noch soviel Stoff von dem weißen Jaquard-Jersey für meinen weißen Mila Sweater. Für den Rock nahm ich dickes gestreiftes Romanit-Jersey, aus dem ich auch bereits mal ein Coco-Dress genäht habe. Beide Stoffe sind aus Istanbul.

Der Schnitt ist selbst zusammengewürfelt. Ich habe einen einfachen T-Shirtschnitt mit überschnittenen Ärmeln kopiert. In letzter Zeit mache ich es mir sehr einfach was Ärmel zeichnen anbelangt. Aber hey, wenn’s klappt und Zeit spart?

Maxidress by Tweed & Greet

Für den Rock habe ich die 1,40m breite Stoffbahn lediglich auf die gewünschte Länge zugeschnitten. Die Breite ist geblieben. Die Webkanten wurden aufeinander gelegt und zusammengenäht. Unten hab‘ ich einen Schlitz gelassen für Bewegungsfreiheit am Bein. Die Naht habe ich nach vorn gesetzt. Jetzt musste der Rock so in Falten gelegt werden, dass er oben die gleiche Breite wie das Oberteil hatte: Differenz zwischen Rockbreite und Oberteilbreite ausrechnen, durch zwei teilen, vorne und hinten jeweils eine Kellerfalte mit der ausgerechneten Breite in die Mitte setzen.Die weitere Vorgehensweise war wie beim Jumpsuit. Oberteil fertignähen, Unterteil fertignähen und beide Teile miteinander verbinden.

Für den Gürtel hab‘ ich eine 12 cm breite Stoffbahn in der richtigen Länge zugeschnitten und zusammengenäht und in eine Schnalle von einem alten Gürtel gesetzt. Die runden Löcher hab‘ ich mit einem runden Stich meiner Nähmaschine (ja, sowas hat sie!), zunächst vorgenäht und dann mit einer Lochzange die Löcher gesetzt.

Die Gürtelschlaufen hatte ich mir in der weißen Farbe auf dem Rock eigentlich pfiffig vorgestellt. Im Nachhinein gefällt es mir doch nicht mehr ganz so gut. Vielleicht tausche ich irgendwann die Schlaufen noch durch den schwarzen Stoff aus. Aber jetzt ist das Kind schonmal in den Brunnen gehüpft. Jetzt wird es erstmal eine Runde so getragen.

Das Kleid hat mich im Sommer einige Male begleitet. Jetzt wird es Herbst und es lässt sich weiterhin lässig mit meiner Jeansjacke kombinieren. Ich mag die Kellerfalte, die den Rock auch ein wenig an Culottes erinnern lässt. Außerdem ersetzt der lange Stoff jede Fleecedecke im Café. Letzte Woche noch saß ich damit bis in die Puppen draußen. Und meine Beine? Warm wie zwei frischgebackene Baguettes.

Puh! Jetzt hab‘ ich schon wieder soviel erzählt, aber schaut doch hier jetzt einfach mal selbst.

Hello!

Maxidress by Tweed & Greet

So ihr Lieben, jetzt mal butter by the fishes: Vor 20 Jahren, was waren da eure Lieblingsklamotten, an die ihr heute noch gern mit viel Liebe zurückdenkt? Hmm? Auch wenn’s die Cordhose mit Gummibund für den Kindergarten war, let me know!

Liebste Grüße,

Selmin


Verlinkung: Me Made MittwochMittwochs mag ich
Stoffe: vom Stoffmarkt in Istanbul
Schuhe: Converse
Armband: umfunktioniertes Brillenband von Coco Bonito

Veröffentlicht von Selmin von Tweed & Greet

Hello, nice to meet you! Ich bin Selmin. Vor zwei Jahren habe ich meine Liebe zum Nähen entdeckt und genieße seitdem immer wieder das Gefühl, am Ende eines Nähprojektes dieses einzigartige Stück in den Händen zu halten. Es ist ein ganz besonderer "Oh hello!"-Moment, wenn mich mein Werk in seiner Vollständigkeit begrüsst und ich weiß, dass ich für genau diesen Moment gearbeitet habe. Ich möchte in diesem Blog meine Projekte mit euch teilen und alles was mich zu diesen Projekten inspiriert: Schöne hochwertige Stoffe, besonderes handwerkliches Design aus dem Bereich Fashion und Lifestyle. Da ich selbst noch im Lernprozess bin, kenne ich viele Anfängerfehler und möchte vor allem auch Leuten, die erst seit kurzer Zeit "hello to handmade fashion" gesagt haben, eine Lernplattform bieten. Ich wünsche Euch viel Spaß und freue mich sehr über Feedback und Austausch.

22 Kommentare

  1. Total schickes Kleid! Wirklich toll kombiniert die Stoffe! Ich hab bei Maxikleider und Maxiröcken irgendwie immer Angst, dass ich damit noch kleiner aussehe als ich ohnehin schon bin^^ Aber bei anderen sieht das immer so klasse aus. Und vor 20 Jahren? Ich glaube, da waren Nicki-Pullover der Hit *g*

    Liebe Grüße, Jessica

  2. Wow! Das ist toll geworden. Es steht dir ganz wunderbar. Vor 20 Jahren habe ich wie heute vorwiegend Jeans und T-Shirt getragen. 😊 Dazu aber immer meine Doc Martens, die noch in meinem Schrank stehen.

      • 😀 Hahaha! Ja, in der Mode soll ja angeblich alles „wiederkommen“. Wenn ich daran denke, werde ich sie fürs nächste Treffen abstauen und versuchen sie 2015-mäßig zu kombinieren. 😉

  3. Ich muss ein bisschen schummeln, vor 20 Jahren habe ich nämlich noch Strampler getragen 😀 Aber ich habe früher Latzhosen geliebt! Die scheinen ja grade auch wiederzukommen, aber ich habe mich noch nicht getraut 😉
    Ich finde auch die Kellerfalte bei deinem Kleid toll und du kannst es echt super gut tragen!
    Liebe Grüße, Fredi

    • Fredi! Dankeschön! Süüüß, Du Stramplermaus:-D Du wirst es nicht glauben, aber mit einer Latzhose hab‘ ich auch schon geliebäugelt. Ich brauche nur noch einen guten Schnitt. Falls Dir also ein Schnitt über den Weg läuft, sag‘ Bescheid und wir wurschteln uns da durch. Ist bestimmt nicht soooo schwer!

      Liebste Grüße,
      Selmin

  4. Also erstmal das Kleid ist dir gelungen und sieht an dir klasse aus. Hm, zu deiner Frage, mit 19 war ich Grungefieber, Hosen, Klamotten vom Flohmarkt, am besten noch ein Männerhemd und abgeschlappte Schuhe. Ich war in der Ausbildung und hatte Arbeitskleidung insofern kein Problem. Muss sagen die Flanellhemden trage ich immer noch gerne und Lagenlook wie früher, man bleibt sich wohl so a bissl treu.
    Liebe Grüße,
    Petra

    • Hach, Petra, der Grungelook. Den hab‘ ich immer so beneidet. Aber damit hätte ich zu Hause wohl Herzattacken ausgelöst, war irgendwie nie drin. Flanell oder Jeanshemden liebe ich auch sehr mit einem Shirt drunter. Wünsche Dir noch einen schönen Abend und liebe Grüße, Selmin

  5. Liebe Selmin,

    Deine Kreationen sind immer so schön anzusehen, mit Dir drin! <3 Tolles Kleid und es steht Dir mal wieder wunderbar!! Meine Lieblingsklamotten vor 20 Jahren waren Jeans gebleicht mit Eau-de-Javel, schwarze T-Shirts mit abgeschnittenen Bündchen und dazu bordeauxfarbene Doc Martens!

    Viele liebe Regen-Grüße, Kathrin – die eigentlich an Ihrer Hausarbeit schreiben sollte 😉

    • Huhu liebe Kathrin, danke für das liebe Kompliment:-) Oh, ich musste gerade recherchieren, was Eau de Javel ist. Dat jute alte Domestos, wie jedes Bleichmittel bei uns genannt wurde:-) Hach, Doc Martens fand ich auch ganz toll mit Blümchenkleidern. Ich hoffe Du bist noch mit Deiner Hausarbeit vorangekommen, und hast nicht noch die Tastatur oder etwas Ähnliches zum Auseinandernehmen gefunden, das uuuuunbedingt noch heute gereinigt werden musste:-DD Liebste Grüße,
      Selmin

  6. Schön ist das Kleid geworden. Nur von den Fotos her hätte ich getippt, dass du einen Zweiteiler anhast.
    Vor 20 Jahren, da hab ich gerade studiert. Da hab ich eigentlich nur kurze oder lange Jeans + T-Shirt / Pulli getragen. Mit Röcken / Kleidern hätte man mich jagen können. Das hat sich seit dem selbstnähen grundlegend geändert :-).

  7. Ein schönes Kleid nach eigenem Schnitt! Besonders gefällt mir die Idee mit der Kellerfalte. Ist wirklich sehr schick geworden! Liebe Grüße – Mrs Go

  8. Yeah, da ist ja das tolle Kleid, das ich schon live bewundern durfte! Wirklich wunderschön! Und so viel besser als alles, was ich vor 20 Jahren getragen habe 🙂 da gab es Baggyhosen oder sogar Armeehosen, Vans und Hoodies in Knallfarben. Ich erinnere mich noch an einen in Orange – im Nachhinein würde ich „Müllabfuhr“ sagen… Liebste Grüße von fee

    • Whoop Whoop:-) Oh ja, Baggyhosen, stimmt! Die fand ich bei anderen auch immer ziemlich cool, hab‘ mich aber nie getraut:-) Fee, wir sehen uns ja ganz bald!! Ich freu mich! Liebste Grüße, Selmin

  9. Superschön, dein Maxikleid! Mal ganz anders, als die Maxikleider, die man sonst so sieht. Also vor 20 Jahren hab ich meistens Lederjacke, Jeans und Flohmarktteile getragen. Und auch schon damals immer wieder was selbstgemachtes. Liebe Grüße von Claudia

  10. Liebe Selmin, Dein Blog kannte ich bisher noch nicht, werde mich mal durchwühlen, und wollte dir noch schnell sagen, wie schick ich Deine Kombination finde. Wirkt wie eine frische Brise am Ende eines viel zu heißen Sommers.

    LG
    Ulrike

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