Ein Tag am Meer mit Sweatshirt Mila und… ähm, naja, seht am besten selbst

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Am Vorabend unserer Reise nach Großbritannien hatte mich noch eine beispiellose Aufräumwut in meinem Nähzimmer gepackt. Ich verstaute alle Projekte, die ich wohl realistischerweise nicht mehr fertig bekommen würde, fein säuberlich in meiner Kiste der Schande. Dabei stolperte ich über einen unfertigen Sweater Mila, dem eigentlich nur noch die Bündchen für den Ausschnitt, Taille und die Ärmel fehlten. Ich setzte mich an den Nähtisch und beendete das Projekt. Der Sweater aus warmem Steppstoff war perfekt für das wechselhafte Wetter auf der Insel.

Am Morgen danach, eine Stunde vor unserer Abfahrt, beschloss ich, meine Nähmaschine noch schnell zu säubern, sie sollte adrett und nähparat sein, wenn ich wiederkam:

„So, ich mach Dich noch sauber, und dann hast du erstmal 3 Wochen Pause. Dann gehen wir die Sachen für den Herbst an, ne?“

„…“

„Puh, ist das verfusselt hier! Das darf man ja keinem zeigen! Du sagst aber auch nix. Nee, das geht so nicht, ich muss dich kurz mal kopfüber drehen und schütteln, sorry.“

„…“

„Danke übrigens nochmal für den vollen Einsatz in den letzten Wochen, die Bikiniaktion war echt kurz getaktet und auch dass Du gestern noch schnell den Sweater mit mir zu Ende genäht hast. Auf dich ist wirklich immer Verlass!“

„…“

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„Hach, ich freu mich jetzt auch echt auf den Urlaub, seit Weihnachten sind wir nicht mehr richtig weggefahren. Ich hab sooo fernweh.“

„…“

„Ich freu mich auch riesig darauf, das Meer mal wiederzusehen. Mit Meeresrauschen einzuschlafen. Meine Füße einzutauchen! Hach, schön!“

„…“

„Vielleicht bekomm‘ ich ja sogar auch mal wieder etwas mehr Farbe. Ich seh‘ schon aus wie eine Kreidewand.“

„…“

„Und Du hast hier endlich mal völlige Ruhe! Ist das nicht super? Kein „Garn-rein-Garn-raus“. Keiner, der dir die Nadeln abbricht oder Stoffe in deiner Transportplatte einklemmt. Sorry, ich weiß, das war dieses Mal alles ein Bisschen viel Viskose und dünnes Jerseyzeugs. Ich weiß ja, dass du das nicht immer so gern magst. Aber jetzt kommt der Herbst, da versprech‘ ich dir die tollsten Stoffe!“

„…“

„So, Hase, ich bin fertig. Ich zieh Dir noch den Stecker raus. Und dann hast Du erstmal drei Wochen Ruhe vor mir. Und ihr auch, ihr kleinen Helferlein!“

„…“

„Ist doch bestimmt auch mal ganz schön hier, so ganz für euch allein. Die letzten Monate hab‘ ich euch auch echt viel in Anspruch  genommen. Jetzt wird’s Zeit, dass ihr euch auch mal so richtig ausspannt.“

„…“

„Nur ihr hier ganz allein.“

„…“

„Ist alles okay? Ihr seid heute irgendwie alle so schweigsam.“

„…“

„Ich bin ja auch traurig, dass wir uns jetzt so lange nicht sehen. Aber drei Wochen gehen bestimmt ganz schnell rum! Ihr genießt erstmal die Ruhe hier.“

„…“

„War einer von euch eigentlich schonmal an Meer?“

„…“

„Hach, es würde euch bestimmt auch gefallen! Einsame Strände, Wellen, die in regelmäßigen Abständen an die Küste schlagen, ab und zu vorbeifahrenden Schiffe, heulende Möwen. Hach, ich könnte stundenlang am Meer sitzen und mir das Geschehen anschauen. Echt soooo schade, dass ihr nicht mitkommen könnt.“

„…“

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„So, ihr Hasen, jetzt muss ich aber wirklich los!

„…“

„Ach, jetzt schaut doch nicht so traurig! Ich zeig euch auch Fotos wenn ich wiederkomme! Versprochen!“

„…“

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„So, Tschöööö!“

„…“

„Ich bin weeeeeg! Bis baaald! Und stellt keinen Unsinn an!“

„…“

„Ich mach jetzt die Tür hinter mir zu, ne?“

„…“

„So, jetzt aber, Ciaaaaoooooo!“

„…“

„Ach, verdammte Axt. Äääähm, Schaaaaatz, wieviel Platz haben wir eigentlich noch im Auto?“

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P.S.: Meine Nähmaschine wurde unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen und nach reichlicher Überlegung an einem Strand fotografiert, an dem sie nicht durch Sand oder Meerwasser beschädigt werden konnte. Bitte beachtet, dass eventuelle Nachahmungen auf eigene Gefahr geschehen.


Mila Sweatshirt

Schnitt: Eigener Schnitt
Stoffe:
 Steppsweat aus Istanbul, ähnliche hier: Kleewald.de oder bei Stoffwelten

Veröffentlicht von Selmin von Tweed & Greet

Hello, nice to meet you! Ich bin Selmin. Vor zwei Jahren habe ich meine Liebe zum Nähen entdeckt und genieße seitdem immer wieder das Gefühl, am Ende eines Nähprojektes dieses einzigartige Stück in den Händen zu halten. Es ist ein ganz besonderer "Oh hello!"-Moment, wenn mich mein Werk in seiner Vollständigkeit begrüsst und ich weiß, dass ich für genau diesen Moment gearbeitet habe. Ich möchte in diesem Blog meine Projekte mit euch teilen und alles was mich zu diesen Projekten inspiriert: Schöne hochwertige Stoffe, besonderes handwerkliches Design aus dem Bereich Fashion und Lifestyle. Da ich selbst noch im Lernprozess bin, kenne ich viele Anfängerfehler und möchte vor allem auch Leuten, die erst seit kurzer Zeit "hello to handmade fashion" gesagt haben, eine Lernplattform bieten. Ich wünsche Euch viel Spaß und freue mich sehr über Feedback und Austausch.

25 Kommentare

  1. Liebe Selmin,

    ich kugel gerade vor .Lachen über den Boden! Einfach nur herrlich!! Inklusive der Sicherheitswarnung… 🙂 🙂 🙂
    Aber so ein Nähtischchen im Freien, das hätte momentan was… Hach ja, ich bin dann hoffentlich mal draußen 🙂

    Viele liebe Grüße
    Bine

    • Ja, draußen nähen, wenn ein laues Lüftchen weht, das wär prima:-) Ähm ja, wegen der Sicherheitsmaßnahme, ich hatte plötzlich Panik, das jemand auf die Idee kommt, seine Nähmaschine mit an den Nordseestrand zu nehmen und die Schuld dann mir in die Schuhe zu schieben…lalalala:-) hab einen schönen Abend! Liebste Grüße, Selmin

  2. Du bist ja bekloppt 😀

    Mein Freund hätte mich für irre gehalten (und wir haben auch so schon immer das Auto voll).

    Aber: genial Aktion

    Liebe Grüße, Denise

    • Liebe Jenny, dankeschön! Den Stoff hatte ich mal auf dem Stoffmarkt in Istanbul gekauft. Ich habe ähnliche Stoffe bei Stoffwelten und Kleewald.de entdeckt. Hab es grad noch am Ende aufgelistet. Vielleicht ist da ja was für dich dabei. Liebste Grüße, Selmin

  3. Liebe Selmin, das ist ein göttlicher Post!!! Es ist einfach so sympathisch, wie du das Gespräch mit der Nähmaschine hier niedergetippt hast – wenn man einen Gegenstand so richtig liebt, dann muss man auch mal mit ihm reden 😉 Mein Auto feuere ich z.B. gern an, wenn wir mal wen überholen müssen 😉 Oder ich spreche ihm Mut in der Kurve zu und bedanke mich, wenn es meine Fahrfehler ohne Meckern hinnimmt. Daher hat es sogar einen Namen – hat deine süße Maschine auch einen?

    Die Idee, der Maschine das Meer zu zeigen, ist goldig. Ich schaue sooo gern den vorbei fahrenden Schiffen zu – das kann ich stundenlang machen, vorzugsweise mit Mama an meiner Seite.

    Liebe Grüße

    • Liebe Tabea, danke:-) Nein, einen Namen hat sie gar nicht, ich nenne sie einfach Nähmaschine:-) Sie musste einfach auch mal die Nase in die gute Seeluft halten:-) Jetzt bin ich aber neugierig, wie nennst Du denn dein Auto?

      Liebste Grüße, Selmin

      • Also mein Auto ist ein schwarzer VW up! und anfangs habe ich immer „Sesam öffne dich“ gesagt, wenn ich den Knopf am Schlüssel gedrückt habe. Irgendwann meinte ich scherzhaft, dass „Sesam“ fast ein passender Name wäre bei der Größe… Sie merkte dann die falsche Farbe an und meinte, Sesam passe besser zu ihrem weißen up!. Da hatte sie Recht, also brauchte ich was anderes kleines, was aber dunkel ist. Und da kam mir Mohn in den Sinn – und um zu betonen, wie niedlich mein Auto ist, hängt ich noch eine Verniedlichung an und taufte es „Mohnkörnchen“.

        Hach, ich bin mir sicher, deine Nähmaschine hätte auch gern einen Namen – wo du sie doch wie eine Freundin sogar mit an den Strand genommen hast 😉

        Liebe Grüße

  4. Großartig! Das hat mir nach dem stressigen Tag heute, doch noch ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Ich hab meine Nähmaschine („Trudi“) nach ihrem Großeinsatz vor dem Urlaub (Anfang August) auch liebevoll gesäubert und geölt – aber seit dem hat sie es noch nicht wieder aus ihrer Urlaubswarteposition im Schrank herausgeschafft – aber immerhin das nächste Schnittmuster ist schon zusammengeklebt ;). Der Herbst schleicht sich ja mit großen Schritten an.

    • Oh, na das freut mich aber wirklich!! Ich hoffe, Du kannst noch ein Bisschen entspannen. Hach, Trudi:-) Viel Spaß mit euren Herbstkreationen! Ich gehe das jetzt auch alles so langsam an:-) Liebste Grüße, Selmin

  5. Würde sage, das ist wieder ein gelungener Post! Wie witzig – UND kann mir ganz genau vorstellen, wie du mit deiner Nähmaschine gesprochen hast. Wahre Liebe! Wir reden und streicheln aber auch unseren Landy wenn wir ihn ganz besonders belastet haben und winken wenn wir ihn unterstellen und wir nach Hause fliegen…So hat jeder seins und du hast es ausgesprochen! Freu mich auf noch mehr Urlaubsgesichten :-)!

  6. Selmin, du bist genial! 😀 So ein herrlicher Post und ich kann es mir vorstellen, wie du zu deinem Mann sagst „Wieviel Platz haben wir eigentlich noch im Auto?“ 😀 Hast du dann im Urlaub auch genäht oder die Gute nur ein wenig spazieren gefahren? Ich würde auf jeden Fall auch so gerne mal in der Ferne nähen, das könnte ich eigentlich mit der neuen Kollektion machen und mir ein Häuschen an der Nordsee mieten oder so… Oder momentan gerade im Freien! Das wäre genial <3

    • Hach ja, im Freien nähen wäre wirklich genial! Ich hab‘ sie ehrlich gesagt nur spazieren gefahren und ihr ein Bisschen Meerluft um die Nase wehen lassen:-)

  7. Hi Selmin, hast du dann im Urlaub auch was genäht? Oder einfach mal deiner Nähmaschine einen Aisföug gegönnt?
    LG Amely

  8. Hihihi, eine süße Geschichte! Wenns in den Urlaub geht, muss nunmal die ganze Familie mit! Niemand wird zurückgelassen!
    Was hast du denn feines genäht im Urlaub? Oder war dann doch keine Zeit? Da bin ich jetzt neugierig!
    Der Sweater ist übrigens sehr schön. Ein ganz süßes Teil aus tollem Stoff. Die arme Mia kommt etwas kurz in der aufregenden Geschichte :).
    Liebe Grüße
    Sandra

    • Liebe Sandra, ja, ich wollte mein Maschinchen etwas in den Vordergrund rücken:-) Den Sweater Mila habe ich ganz oft schon vorgestellt, es ist ein von mir selbst kreierter Schnitt, den ich bereits mehrmals vernäht habe. Genäht hab ich mit der Maschine nicht, sie hatte ja auch Urlaub;-) Liebste Grüße, Selmin

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