Die kleine Nähakademie: Basics – Welches Nähgarn nehme ich?

Garnauswahl Teaser

Vor ein paar Wochen war in meinem Nähkurs eine absolute Nähanfängerin, die gerade eine Einweisung in die Nähmaschine bekam. Vor ihr lag ein frisch ausgepacktes Komplettset mit Garnen, das sie extra für den Kurs gekauft hatte. Nachdem sie sich auf eine Farbe geeinigt hatten, nahm meine Nählehrerin Ober- und Unterfaden aus dem Set heraus und wollte ihr gerade zeigen, wie man die beiden Garne einsetzt, als ich plötzlich ihre überraschte Nachfrage hörte: „Ach, gehören die da beide rein??“.

Ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Vor 2,5 Jahren saß ich genauso fragend vor meinem Garnset und hatte keinen blassen Schimmer, welche dieser bunten Rollen ich überhaupt brauchte.

Daher gibt es heute, bevor ich im nächsten Post erkläre, wie man die Nähmaschine richtig einfädelt, eine ganz kurze Garntheorie, damit ihr zumindest einen kleinen Überblick über die richtige Garnauswahl vor dem Nähen bekommt.

Oberfadenarten

Oberfadenspulen

 

Unterfadenspulen

Unterfadenspulen

Die richtige Garnqualität

Bei der Auswahl der Garne solltet ihr von Anfang an auf Qualität achten. Meine erste Garnausstattung war ein Garnkomplettset vom Discounter. Für die ersten Nähversuche hat es gereicht, aber auch da ärgerte ich mich sehr oft über reißendes Garn während des Nähvorgangs. Den Unterschied merkte ich erst, als ich in bessere Garne z.B. von Gütermann investierte.

Welche Garnstärke ist die richtige?

Die Auswahl des richtigen Garns ist abhängig davon, was für ein Nähprojekt ihr starten möchtet. Dickere Stoffe sollten mit einem dickeren Garn genäht werden, damit das Garn nicht reißt. Dünnere Stoffe näht man mit dünnem Garn. Das klingt jetzt für’s erste wunderbar logisch. Tatsächlich habe ich am Anfang mal versucht, mit Jeansnähgarn (ich wusste damals nicht, dass es Jeansnähgarn ist) ein Oberteil aus Crêpe zu nähen. Es klappte, aber der Stoff wellte sich und an Versäubern der Naht war nicht zu denken, weil das Garn einfach viel zu dick war und den dünnen Stoff quasi fraß. Der wichtige Zusammenhang zwischen Garn- und Stoffdicke wurde mir leider erst später klar.

Soll ich lieber Baumwollgarn nehmen oder Polyestergarn?

Polyestergarn

Polyestergarn ist das gängigste Allzweckgarn. Es wird in vielen bunten Farben angeboten, schrumpft nicht beim Waschen oder Bügeln und ist reißfest. Man kann es für alle elastischen und unelastischen Stoffe wie z.B. Jersey und Baumwolle, aber auch Samt, Chiffon und Seide nutzen.

Polyestergarn

Baumwollgarn:

Baumwollgarn ist nicht elastisch und sollte auch nur für unelastische Stoffe wie Baumwolle oder Leinen verwendet werden. Weil es nicht dehnbar ist, reisst es schneller. Anders als Polyestergarn, kann man Baumwollgarn mit Textilfarben nachträglich färben.

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Habt ihr noch weitere Tipps? Schreibt sie mir doch einfach im Kommentar!

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7 Kommentare

  1. Antworten

    Anonymous

    30. Juli 2017

    Jetzt weiß ich aber immer noch nicht ,ob ich 40,0der 50 Garn verwenden soll für normal.welches ist stärker?

  2. Antworten

    karin Schell

    31. Juli 2017

    Also grundsätzlich ist 40er Garn stärker als 50er Garn, da die Feinheit des Garnes als Quotient von Gewicht und Länge angegeben wird. Diese Garnstäken finden sich eher bei Baumwollgarn, von dem ich aber ebenso abraten würde, wie der Artikel oben es schon schön beschrieben hat, wenn nicht gerade ein Kleidungsstück genäht wird, das später eingefärbt werden soll. In anderen Fällen hat Baumwollgarn kaum noch eine Daseinsberechtigung, da es schneller reißt, nicht lichtecht ist und mit dem Alter brüchig wird. Ein (gutes) Polyestergarn kann zudem viel feiner sein, bei gleicher Reißfestigkeit und drückt sich dadurch beim Bügeln nicht durch. Da ist dann aber 120er Garn die Norm, für Jeans oder sonst stabilere Nähte kann ein 60er-80er Garn genommen werden, für Leder ein 30er-50er Garn.

    • Antworten

      Selmin von Tweed & Greet

      31. Juli 2017

      Danke für die schöne Erklärung! Liebe Grüße, Selmin

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