Brotbeutel und Streifenshirt nähen aus altem Kleid – Ein schnelles Upcycling für mehr Nachhaltigkeit im Alltag

Brotbeutel nähen und Streifenshirt aus altem Kleid Upcycling - DIY Anleitung

Ein altes ungeliebtes Kleid wird schnell zu einem tragbaren Oberteil und einem praktischen Brotbeutel. Nur etwas mehr als eine Stunde hab ich für dieses schnelle Upcycling gebraucht. Es ging so fix, dass es fast keinen Platz auf diesem Blog bekommen hätte. Aber ich fand es wichtig, die Anregung dazu weiterzugeben, denn gerade der einfache Brotbeutel am Ende hat mir einen kleinen Denkzettel verpasst.

Schon mehrere Jahre hing dieses Kleid in meinem Kleiderschrank, vor vielen Jahren gekauft bei einer großen spanischen Modekette. Ich glaube, ich kann die Gelegenheiten zu denen ich es getragen habe, an einer Hand abzählen. Ich habe mich damit nie richtig wohlgefühlt, dabei liebe ich Streifen.

Irgendetwas an dem Kleid war einfach falsch für mich. Das Oberteil, eigentlich aus gemütlichem Sommersweat war noch okay, aber der lieblos daruntergesetzte gerade geschnittene Rock aus – ich glaube – einer Polyestermischung, rutschte permanent. Mir fehlten die Taschen am Rock, die das Kleid vielleicht auch ein bisschen lässiger machen würden. Außerdem trage ich meine Oberteile gern einfach entweder geschoppt in der Hose oder im Rock oder stecke zumindest den vorderen Teil in den Bund. Hier hing es einfach immer gerade über dem Rock herunter. Langweilig. Also hing es einfach im Schrank – und hing. In den letzten beiden Jahren hab ich es nicht einmal getragen.

Vorletzte Woche hab ich meinen Schrank aufgeräumt (ich verarbeite dieses Erlebnis immer noch) und beschlossen, aus dem Kleid noch etwas Tragbares zu machen. Denn es ist noch sehr gut in Schuss, auch wenn die schlechte Verarbeitung ein paar Fragezeichen bei mir hinterlässt.

Die Nähte sind wirklich unsauber ausgeführt und auch die Abnäher sind nicht ordentlich gemacht. Als etwas pedantischer Nähnerd, der gern penibel Streifen aufeinander steckt, sind mir auch die an den Seitennähten nicht exakt verlaufenden Streifen echt ein Dorn im Auge. Trotzdem hat es mehr Wertschätzung verdient und ich möchte es endlich tragen. Außerdem mag ich die kleinen Knopfdetails an den 3/4 Ärmeln. Also wurde es ein Streifenshirt – ein ganz unaufgeregtes Basicstück in meinem Schrank für den Alltag, perfekt!

Also hab ich Rock und Shirt voneinander getrennt. Danach musste das Shirt übrigens nicht einmal neu versäumt werden. Denn der Rock war schlicht an die Nahtzugabe des bereits fertigen Shirtsaums genäht worden. Ich habe ihn einfach mit der Schere abgeschnitten, nachdem ich erst vorsichtig begonnen hatte, die Nähte mit dem Nahtauftrenner zu trennen. Fertig in 5 Minuten! Das ganze ging so schnell, dass ich kurz darüber nachdachte, auch die Seitennähte aufzutrennen und die Streifen richtig anzuordnen. Ähem. Ich konnte mich dann aber doch zurückhalten.

Stattdessen hab‘ ich beschlossen, auch aus dem Rockteil noch etwas Brauchbares zu nähen, denn auch er war zum Entsorgen zu schade. Also wurde ein Brotbeutel daraus gemacht.

Brotbeutel aus altem Rock, so geht’s:

Erinnert ihr Euch noch an meine Obst- und Gemüsebeutel aus meinen alten Vorhängen? Genau nach der Anleitung habe ich ihn genäht und finde ihn sehr praktisch, unten eine Kurzfassung meines Vorgehens:

Der Rock wurde in einer Seitennaht aufgeschnitten:

Die kurzen Kanten wurden 3 cm umgeschlagen und versäumt und die Längskanten zusammengesteckt und -genäht:

Eine Kordel wurde zweimal durch die Saumtunnel geschoben:

Kordel wurde abgeschnitten und verknotet, Zack fertig!

Voilà Brotbeutel, ready for ze Wocheneinkauf! Die erste Feuerprobe beim Bäcker hat er schon überstanden. Feuerprobe, denn ich hatte ein bisschen Bedenken im Vorfeld, dass sie meine Tasche aus hygienischen Gründen vielleicht nicht annehmen, aber dann hab‘ ich meinen Brotbeutel einfach hochgehalten und die Verkäuferin gebeten, mir das Brot zu reichen. Es folgte tatsächlich ein leicht verdutzter Blick zur Kollegin, aber dann wurde mir das Brot ohne Kommentar brav gereicht und abkassiert.

Vielleicht war es eine Ausnahme, vielleicht wird es beim nächsten Bäcker anders, aber ich fand es ein erschreckendes Indiz dafür, dass es im Lebensmittelbereich an der Theke noch als völlig normal und gesellschaftsfähig angesehen wird, dass Lebensmittel in Verpackungen gewickelt werden, statt in nachhaltige wiederverwertbare Beutel und Behälter. Und dass es für den Verbraucher noch ein Schritt aus der eigenen Komfortzone ist, mit einer eigenen Lösung hier im Einkaufsalltag gegen Verpackungsmüll zu steuern. Ich hab‘ mich an der Theke in einer großen Stadt wie Köln für ein paar Sekunden wie ein Sonderling gefühlt, obwohl wir das Jahr 2019 schreiben und das Thema Nachhaltigkeit wichtiger als je zuvor ist.

Es erfordert Kommunikation miteinander, damit Verpackungen reduziert werden. Während man an der Kasse im Einzelhandel in Deutschland mittlerweile immer häufiger gefragt wird, ob man eine Plastik- oder Papiertüte benötigt oder ob der Transport auch so geht, muss an der Lebensmittel-Theke der Kunde erst aktiv werden, um diesen automatisierten Vorgang des Eintütens mit seiner eigenen nachhaltigen Alternative zu durchbrechen.

Auch schon beim Thema Kaffee zum Mitnehmen. Es ist mittlerweile ganz natürlich für mich, meinen eigenen Kaffeebecher mitzunehmen. In kleinen jungen Kaffeeläden werde ich inzwischen vorher gefragt, ob ich einen Einwegbecher brauche oder meinen eigenen dabei habe. Aber viel häufiger muss ich selbst aktiv werden und erst MEINEN Becher zeigen, weil mein Getränk sonst mit einer alltäglichen Selbstverständlichkeit in den Einwegbecher gefüllt wird. OBWOHL es an vielen Kaffeetheken wiederverwertbare Becher zum Kaufen gibt oder mittlerweile auch Hinweise, dass der Kaffee im mitgebrachtem Becher ein paar Cent weniger kostet. Warum werde ich nicht vorher gefragt, ob ich meinen eigenen Becher dabei habe, um meine Komfortzone für den Einwegbecher zu verkleinern?

Im Einzelhandel werden so viele psychologische Tricks angewendet, um den Einkauf für Verbraucher komfortabel zu gestalten und Umsätze zu steigern, aber der NACHHALTIGERE Einkauf enthält immer noch unsichtbare Hürden. Umso wichtiger ist es, dass immer mehr Zeichen von uns als Verbraucher gesetzt werden. Dass wir den Mund aufmachen und unsere mitgebrachten Beutel hinhalten, auch wenn hinter uns die Schlange lang ist oder wir verdutzte Blicke bekommen. Ich freue mich über den Gedanken, dass die nächste Kundin oder der nächste Kunde bei „meinem“ Bäcker vielleicht nicht mehr diesen verdutzten Blick bekommt und das Brot ganz selbstverständlich gereicht wird. Nur so findet eine Umstellung im Kopf statt.

Dieses Upcycling ging so schnell, dass es eigentlich fast gar keinen Platz auf meinem Blog gefunden hätte. Aber ich fand diesen Anstoß so wichtig, dass ich ihn hier einfach festhalten musste. Und es mag abgedroschen klingen, aber ich bin stolz über diesen kleinen Schritt von mir für mehr Nachhaltigkeit in meinem Alltag und freue mich darüber, dass ich zu meinen wiederverwertbaren Obst- und Gemüsebeuteln aus alten Gardinen jetzt auch eine Alternative für den verpackungsfreien Brotkauf aus meinem alten Kleid hab‘ und meine Anregung hier weitergeben kann. Denn es ist ein Schritt in die einzig richtige Richtung.

Und ich werd‘ nächste Woche wieder an der Bäckereitheke stolz meine Hand mit dem Brotbeutel in die Luft strecken und laut sagen, bitte reichen Sie mir das Brot einfach direkt, ich hab‘ meinen eigenen Beutel dabei! Und die Woche darauf wieder und auch danach wieder….

So, ihr Hasen und jetzt gibt’s erstmal Frühstück mit frischem Brot aus meinem neuen Brotbeutel der früher mal ein Rock war!

Habt einen wunderbaren Sonntag, liebste Grüße,

Eure Selmin

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6 Kommentare

  1. Antworten

    Katha | Bananenmarmelade

    10. März 2019

    Eine schöne Story! 🙂
    Ich backe unser Brot eigentlich immer selbst, daher brauche ich keinen Brotbeutel. Aber deine Gedanken zum Umdenken in der Gesellschaft und im Lebensmittelhandel finde ich super wichtig, danke dafür! Es ist wirklich schlimm, wie müllintensiv dieser angepriesene Komfort beim Einkaufen ist.
    Coffee-to-go gibt es für mich auch nur noch im eigenen Becher, da erlebe ich leider auch noch die seltsamsten Umsetzungen (z.B. wird ein Pappbecher unter die Maschine gestellt, der Kaffee in meinen Becher umgefüllt und der Pappbecher dann entsorgt. Um diesen Bäcker machte ich erstmal einen großen Bogen. Mein Lieblingsbäcker stellt meinen Becher zum Glück direkt unter die Maschine!)

    Jeder kleinste Schritt ist immerhin ein Schritt in die richtige Richtung 🙂

    Liebe Grüße
    Katha

  2. Antworten

    Christine

    10. März 2019

    Liebe Selmin,

    schöne Upcycling-Idee! Ich habe mir gerade einen Brotbeutel aus Leinen genäht, weil das Brot darin anscheinend besonders lange frisch bleiben soll. Die empirische Untersuchung läuft…
    Und nachdem der Bio-Laden um die Ecke sein Unverpackt-Sortiment vergrößert hat, habe ich noch ein paar Gardinen-Beutel in diversen Größen genäht, die vorsorglich auf alle Taschen verteilt sind.
    Simpel, aber wirksam.

    Liebe Grüße
    Christine

  3. Antworten

    Anonymous

    10. März 2019

    Hi!
    Wie schön, dass du nun das Shirt noch tragen kannst!
    So kleine Dinge machen doch auch echt froh!
    Ich habe auch Brotbeutel und Obstbeutel und ich darf sogar an der Käsetheke meine Dose rüber reichen. Ich kann schon mal sagen, dass inzwischen keiner mehr komisch guckt. Sie habe. Sich gewöhnt 😉
    Aaaaaaaber: Was ich echt schwierig finde ist, sie auch zum Einkauf mitzunehmen.
    Nicht dann, wenn ich von zu Hause aus losgehe, sondern wenn ich nach der Arbeit oder auf dem Rückweg von der Kita oder, oder noch schnell ein Brot oder was auch immer kaufen will. Da muss ich mich echt noch richtig umgewöhnen. Und sie schon mal morgens miteinpacken. Ich vergesse es noch oft. Aber das wird schon werden.
    Grüße! Christina

  4. Antworten

    laura

    11. März 2019

    Dein Upcycling ist so toll geworden, meine Liebe! Wir benutzen seit Jahren einen Leinenbeutel für Brot und Brötchen und wurden noch nie komisch angeschaut zum Glück. Hier ist das vor allem bei Älteren noch sehr verbreitet. 😀

  5. Antworten

    Stefanie

    15. März 2019

    Den ersten Brotbeutel mit einer „Brot und Brötchen“-Applikation habe ich vor ca. 25 Jahren für meine Mutter genäht, sie hat ihn immer noch. Unser Brot kaufe ich, wenn ich zum Bäcker gehe, auch im selbstbedruckten Baumwollbeutel. Deine Obst-Beutel aus alten Gardinen finden ich klasse, ich habe letztens mal daran gedacht, Beutel aus feinem Petticoat-Tüll zu nähen, der hier noch meterweise herumliegt. Ich muss mir nur etwas für die Aufkleber von der Waage einfallen lassen. Brot aus dem Supermarkt könnte man da auch prima reintun… Ich denke auch, man sollte versuchen, Verpackungen zu vermeiden. In keinem Land der Welt werden so viele Verpackungen benutzt, wie in Deutschland!
    Viele Grüße, Stefanie

  6. Antworten

    Ilka

    17. März 2019

    Gute Idee! Man ist manchmal echt erschrocken, wie unsauber Kleidung gearbeitet ist.
    Und danke für die Erinnerung – ich muss noch Brotteig ansetzen.
    LG ILka

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