Hinter den Kulissen von „Hello, Nähmaschine“ – Die meistgestellten Fragen zu meinem Nähbuch

Hello Nähmaschine - Hinter den Kulissen - Ein Nähbuch entsteht

Schon bereits während der Schreibzeit für „Hello, Nähmaschine“, habe ich immer wieder ein paar Fragen zum Entstehungsprozess des Nähbuches erhalten. Als ich diesen Blick hinter die Kulissen schrieb, hab‘ mir daher einfach mal erlaubt, den Text nach den am meisten gestellten Fragen zu gliedern, da die Antworten vielleicht auch andere interessieren. Die Erfahrungen, die ich gemacht habe und meine Herangehensweise, sind ganz natürlich ganz persönliche und andere Autorinnen und Autoren, gehen möglicherweise ganz anders vor.

Bist Du mit einer Idee auf einen Verlag zugegangen oder hat der Verlag Dich gefunden?

Eine Lektorin des EMF-Verlages hat mich angeschrieben. Sie kannte meinen Blog und meine „Vorgeschichte“ als späte Nähbeginnerin und hatte die Idee für ein locker flockiges Nähanfängerbuch, für alle, die sich so wie ich ganz frisch eine Nähmaschine gekauft haben oder mit dem Nähen beginnen möchten. Ein Buch, das weiß wie Nähanfänger ticken und das sie motivierend und mit Spaß an die Nähmaschine heranführt und mit ihnen gemeinsam die ersten Hürden überwindet. Als jemand, bei dem vor allem der Spaß beim Nähen im Vordergrund steht, war mir sofort klar, ich will das machen! Mir war es aber sehr wichtig, dass neben all der Locker-Flockigkeit, trotzdem vorrangig viel wertvolles Wissen vermittelt wird. Am Ende ist ein Buch entstanden, das neben vieler Bilder auch viel wertvollen Text enthält, der den Anfänger strukturiert durch die erste Zeit mit der Nähmaschine führt und ihm auch als Nachschlagewerk dient.

Wie lange hattest Du Zeit für das Buch und wie hast Du Deine Zeit eingeteilt?

Nach der Anfrage hatte ich sechs Monate Zeit für das Buchkonzept, das Schreiben, die Projekte zu entwerfen und zu nähen und die Schritt-für-Schritt Bilder sowie die Produktfotos zu erstellen. Im ersten Monat hab‘ ich eine Gliederung zu meinem Buch erstellt, mir passende Projekte und ein ungefähres visuelles Konzept für mein Buch überlegt und zusammen mit dem Titelvorschlag „Hello, Nähmaschine“ beim Verlag eingereicht. Für alle Nähprojekte habe ich außerdem Material zusammenrecherchiert, das bei den Sponsoren angefragt wurde. Auch ein Vorschlag für das Coverbild und erstes Material für die Katalogvorschau wurden relativ frühzeitig vor offizieller Abgabe eingereicht. Und danach hatte ich erst einmal eine lange Schaffensphase in der ich allein vor mich hin arbeiten konnte. Der Verlag hat mir in Bezug auf Struktur und Inhalte sehr viel Freiraum gelassen. Den zweiten und dritten Monat habe ich einfach darauf losgeschrieben. Dafür hatte ich mir drei volle Tage die Woche reserviert. Alle Schritt-für-Schritt-Anleitungen habe ich in dieser Zeit ebenfalls bereits vorgeschrieben. Einen weiteren Monat lang, wurde das Geschriebene dann überarbeitet. Danach hab‘ ich das ganze Buchprojekt erst einmal fast einen Monat zur Seite gelegt, um ein bisschen Abstand zu bekommen, irgendwann kreisten meine Gedanken nämlich nur noch ums Nähen für Anfänger. Die letzten sechs Wochen habe ich mir nur für die Fotos reserviert und bei den Anleitungen die Texte in diesem Zug noch einmal überarbeitet und angepasst. Denn Manches hat in der Praxis auf Anhieb doch nicht so funktioniert wie es in meinem Kopf aussah! Aaah! Beim nächsten Buch würde ich wohl auch mit dem schwersten Teil zuerst beginnen: Die Schritt-für-Schritt-Bilder und dann nach jedem fertig geknipsten Projekt erst einmal die Anleitungen dafür schreiben. Die Fotos so weit ans Ende des Projektes zu legen, hat mich am Ende unter einen Zeitdruck gesetzt, den ich die ganze Zeit vorher nicht gespürt hatte, gerade wenn etwas mal doppelt so lange gedauert hat, wie geplant. Am Ende habe ich aber alles pünktlich geschafft! Zeit für ein bisschen Quatsch mit meinem vierbeinigen Lieblingsassistenten blieb zwischendurch sogar auch.

Warum gibt es in Deinem Buch eigentlich keine Kleidungsstücke?

Maßnehmen und sich Gedanken um Passformen machen zu müssen, kann eine Hürde für Anfänger ohne jegliche Näherfahrung darstellen. Mein Buch ist aber für Leute, die wirklich das erste Mal an der Nähmaschine sitzen und sich mit Hilfe dieses Nähbuches an ihre ersten Schritte wagen. Ich möchte, dass man mit dem Buch ohne Hürden im Kopf direkt loslegen kann und gleich erste Erfolge hat. Deswegen habe ich komplett auf Kleidungsstücke verzichtet und stattdessen einfache und trotzdem stylische (Wohn-)Accessoires gewählt, die Freude machen und nützlich sind. Alle Stücke enthalten Techniken, die ebenfalls auch beim Kleidernähen wichtig sind, wie zum Beispiel Säume nähen, Reißverschluss einsetzen, Futter verstürzen, Knopflöcher und Tunnelzüge nähen und Stoffe kräuseln. Die Schwierigkeit steigert sich Projekt für Projekt und nach dem Durcharbeiten des Buches hat man voller Stolz eine erste Kenntnisgrundlage, um sich mit ganz viel Elan an sein erstes Kleidungsstück zu wagen!

Wo sind die Fotos für’s Buch entstanden?

Die Fotos habe ich bei mir zu Hause erstellt. Dafür wurde mein Nähzimmer zwei Monate lang zu einem Fotostudio. Ich habe mir aus Holzplatten kleine Fotohintergründe erstellt und mir mit Tageslichtlampen kleine Sets aufgebaut. Die Tage ohne Regen wurden im Herbst genutzt, um die Projektfotos draußen aufzunehmen. Ich bin mit meinem Set dann einfach nach draußen umgezogen. Wie glamourös das Ganze dann aussah, seht ihr unten. Ähem.

Apropos glamourös. Auf der h+h in Köln wurde ich vergangenes Wochenende gefragt, ob es um meine immer so aufgeräumt wirkenden Fotos herum, auch tatsächlich immer so aufgeräumt ist. Nun, es ist so: Bereits meine Instagramfotos und die Fotos für meinen Blog sorgen oft für ein kleines Chaos um das Foto-Set herum, ich bin da aber meist sehr routiniert und kann die Unordnung danach schnell wieder beseitigen. Bei meinem Buch war es etwas anders. Die Sets waren insgesamt aufwändiger und ich habe immer wieder Neues ausprobiert. Für die Küchentuchbilder zum Beispiel, wurden spontan, Regale von der Wand genommen, Bestecke aus der Küche geschafft, Blumen zurechtgezupft, Fussel weggerollt, und was weiß ich noch alles. Da kann sich innerhalb einer halben Stunde, das ganze Zimmer schon einmal in ein Schlachtfeld verwandeln. Daran, zwischendurch mal etwas für mich zu nähen, war in diesem Tohuwabohu übrigens nicht zu denken, haha. Ich habe versucht, jeden Abend das Nötigste aufzuräumen, damit mich das Chaos am nächsten Tag nicht blockiert. An einem Abend war ich knapp dran zu einer Verabredung und schaffte es nicht mehr, die Ordnung in meinem Zimmer wieder herzustellen. Damit mein Mann keinen Schock bekam, wenn er mein Zimmer sah, schloss ich einfach die Tür und klebte einen Zettel darauf mit dem Warnhinweis „Do not Enter. Danger of Life.“ Ein paar Stunden später bekam ich von ihm die SMS: „I’m dead“.

So, ihr Hasen, das war’s erst einmal. Wenn ihr noch weitere Fragen habt, gerne jederzeit her damit! Vielen herzlichen Dank wirklich an alle, die bisher die signierte Fassung meines Buches über meine Website gekauft haben. Ich hatte zunächst gar nicht genug Umschläge zu Hause, so dass ich erst einmal für Nachschub sorgen musste. Danke, dass ihr meinen kleinen Shop unterstützt habt! Ein paar wenige Bücher sind noch übrig und können weiterhin in meinem Online-Shop direkt bei mir gekauft werden.

Ich freue mich übrigens schon riesig auf den April, denn mein Buch wird bei ein paar meiner liebsten Bloggerkolleginnen auf eine besondere Motto-Tour gehen. Außerdem wird gemunkelt, dass ich mir für Ende April eine kleine Link-Party überlegt habe und ich freue mich schon riesig darauf, Euch am Sonntag noch mehr darüber zu erzählen, in der Hoffnung, dass ganz viele mitmachen! Vielleicht habt ihr Lust, hier dann einfach wieder vorbeizuschauen! Habt noch eine tolle Restwoche!

Liebste Grüße,

Eure Selmin

Hello Nähmaschine - Hinter den Kulissen - Ein Nähbuch entsteht

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5 Kommentare

  1. Antworten

    Katha | Bananenmarmelade

    29. März 2018

    Danke für den interessanten Einblick! 🙂 Ich habe tatsächlich gestern im Buchladen mal ein bisschen reingeblättert in dein Werk und habe ich direkt gefragt, ob du die Bilder alle zu Hause gemacht hast. Diese tragbare Wand erklärt einiges, sowas brauch ich ab sofort auch!
    Und: Sollte sich jemand in meinem Freundeskreis überlegen, mit dem Nähen anzufangen, dann werde ich dein Buch auf jeden Fall empfehlen! 🙂
    Hach ja, und der Traum, irgendwann auch ein Buch zu schreiben, bleibt… irgendwann 😉

    Liebe Grüße!

    • Antworten

      Selmin von Tweed & Greet

      30. März 2018

      Vielen lieben Dank liebe Katha! Die Wand hat sehr viel geholfen😅 Vielleicht kannst du ja auch einfach mal mit einer ersten Idee und Konzept an Verlage deines Vertrauens herantreten? Ich glaube ja, das ist gar nicht so ungewöhnlich und man hat sich so schon einmal vorgestellt und wer weiß, bei wem du im Hinterkopf bleibst, falls die Idee ersteinmal doch nicht umgesetzt wird. Liebste Grüße und schöne Ostern, Selmin

  2. Antworten

    Cornelia Laube

    30. März 2018

    Die Lektorin hatte als Leserin Deines Blogs genau die richtige Idee für Dein Buch, und Du hast es bravourös mit Leben gefüllt! Dabei hast Du so viele Details eingebaut, dass auch ein „Nicht-mehr-ganz-Anfänger“ auf die Kosten kommt. Dein Buch hat sich nicht mit 1x Lesen „erledigt“, sondern wird auch von fortgeschrittenen Anfängern bestimmt gerne als Nachschlagewerk genutzt.
    DANKE für Dein toll gelungenes Buch
    Cornelia

    • Antworten

      Selmin von Tweed & Greet

      30. März 2018

      Ach, vielen herzlichen Dank liebe Cornelia für Deine netten Worte! Es freut mich so, das zu lesen! Liebste Grüße, Selmin

  3. Antworten

    Amaia

    7. April 2018

    …ich habe schon ein Paar Nähanfänger in meinem Freundeskreis mit deinem Buch beglückt und glaube ich werde auch für mich einige deiner Projekte machen…. Es ist sooo schön geworden und so gut erklärt, dass ich glaube jeder könnte in dem Buch etwas lehrreiches finden!!!

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