Stoffe auswählen, die zum eigenen Stil passen – und später weniger aussortieren – #12ausdemstoffregal

Ööööhm, das sollte wohl ein Scherz gewesen sein, was hatte ich mir denn dabei gedacht? Am 1. April hatte ich diese Frage für das Aprilthema von #12ausdemstoffregal in den Raum geworfen. Und einen der Stoffe verlost, bei dem ich mir genau diese Frage stellte. Glücklicherweise haben sich mehrere Interessentinnen gefunden. Am Ende konnte ich dem Stoff also guten Gewissens in ein zu Hause verschicken, das ihn zu schätzen weiß. Ihr erinnert Euch?

Habt ihr Euch diesen Monat mal mit den Stoffen beschäftigt, die Euch nicht mehr gefallen? Seid ihr dahinter gekommen, warum ihr nicht mehr wirklich etwas damit anfangen könnt? Warum würdet ihr ihn heute nicht mehr kaufen? Auch ich habe noch ein oder zwei Stoffe, bei denen ich nicht wirklich weiß, was ich daraus machen soll. Es sind vor allem Stoffe, die ich ganz zu Anfang meiner Nähaktivitäten gekauft habe, ohne mir Gedanken darüber zu machen, dass aus ihnen mal wirklich Kleidungsstücke für mich werden sollen. Ich fand sie einfach nur schön. Auch den Stoff aus meiner Verlosung fand ich immer noch schön. Aber egal was ich daraus genäht hätte, er wäre im Kleiderschrank verstaubt und am Ende aussortiert worden. Denn er passte eben nicht zu mir und meinen Stil.

Um zu vermeiden, dass ich Stoffe kaufe, mit denen ich eigentlich gar nichts anfangen kann, hab‘ ich mir im Laufe der Zeit so etwas wie einen internen Prinzipienkatalog angeeignet, den ich innerlich durchgehe, wenn ich meine Stoffe auswähle. Passend zum Aprilthema für #12ausdemstoffregal mag ich Euch heute von diesen Prinzipien erzählen.

Was die richtige Stoffauswahl für mich bedeutet

Die Stoffauswahl beim Planen eines Nähprojektes gehört für mich zum spannendsten Teil. Es ist der erste physische Kontakt, den ich zu meinem potenziellen Kleidungsstück habe. Die Farbe des Stoffes, der Fall und die Struktur geben mir eine erste Idee davon, wie das Projekt später an mir aussehen wird. Dieses Gefühl für den Stoff ist mit der Näherfahrung immer besser geworden und immer mehr gereift.

Ich bin nicht der Typ, der immer erst dann gezielt einen Stoff kauft, wenn ein Schnitt dafür feststeht. Dafür stöbere ich viel zu gern in Stoffgeschäften. Wenn ich verreise, recherchiere ich erst nach Stoffläden, die die Stadt zu bieten hat. Stoffe sind meine Lieblingssouvenirs aus fremden Ländern. Manchmal ist es einfach nur der Blick auf einen Stoff und ein bestimmtes Kleidungsstück entsteht vor meinen Augen. In dem Moment weiß ich, daraus wird eine Jacke, eine Bluse oder etwas Anderes, mit dem ich schon länger liebäugele.

Und auch wenn meine Stoffe zu Hause auch mal lange auf ihre Berufung warten, es ist für mich etwas Besonderes, einen Stoff für ein bestimmtes Nähprojekt mit einem Stoff aus meinem Vorrat zu verkuppeln, wenn die Zeit reif ist.

Ich halte nichts davon, ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, wegen eines großen Stoffvorrats. Darauf kann man durchaus stolz sein. Aber ich fühle mich wohl mit Stoffen, von denen ich weiß, dass sie meinen Kleiderschrank irgendwann bereichern werden. Anstatt vollgestopfte Kisten mit solchen Stoffen zu besitzen, die ich eigentlich gern loswerden möchte. Es erfordert allerdings auch etwas Arbeit, die richtigen Stoffe für mich auszuwählen.

Passt er zu meinen bereits getragenen Kleidungsstücken?

Bevor ich einen Stoff kaufe, habe ich meine gern getragenen Kleidungsstücke im Hinterkopf. Passt der Stoff später am fertigen Kleidungsstück zu meinen bisherigen Klamotten? Kann ich gut kombinieren oder werde ich Schwierigkeiten haben? Es muss nicht immer die gleiche Farbwelt sein, manchmal ist es schön auch mal einen Hingucker oder Kontrast in den Schrank zu zaubern, aber ich überlege mir mittlerweile genau, ob ich ihn wirklich tragen werde.

Passt der Stoff zu meinen Lebensgewohnheiten?

In meiner Hand mag sich zwar eine wunderschöne Stoffbahn befinden, am Ende wird sie ein Kleidungsstück werden, dass GETRAGEN werden will. Werde ich wirklich Verwendung für diesen tollen klassischen Nadelstreifenstoff haben, wenn ich eigentlich die meiste Zeit im Homeoffice sitze? Wahrscheinlich nicht.

Jemand der nicht gern bügelt, kann vor Ort testen, wie anfällig der Stoff für Falten ist: Einfach den Stoff für ein paar Sekunden zwischen den Händen zusammendrücken. Wenn direkt viele Falten entstehen, könnt ihr Euch sicher sein, dass auch das Kleidungsstück, das daraus am Ende entsteht, stets erst sorgfältig gebügelt werden muss, wenn es aus der Wäsche kommt. Wer bereits jetzt solche Kleidungsstücke lieber im Schrank lässt, wird das wahrscheinlich auch mit einem selbstgenähten Stück aus diesem Stoff tun.

Passt der Stoff in meine Waschroutine? Kann ich ihn mit all den anderen Sachen waschen, die bei mir regelmäßig gewaschen werden? Wird es okay für mich sein, das Kleidungsstück immer separat zu waschen, wenn es sich um einen besonderen Stoff handelt? Oder wird es irgendwann ganz unten in meinem Wäschekorb als vergessenes Kleidungsstück enden?

Farben überprüfen

Euch gefällt die Stofffarbe aber ihr seid Euch unsicher, ob er zu Euch passt? Haltet ihn Euch an den Körper. Falls es ein Oberteil oder Kleid wird, in die Nähe Eures Gesichts. Wie wird er wirken, wenn der Stoff einmal ein Kleidungsstück ist? Würdet ihr Euch damit wohlfühlen? Manchmal sehen Farben eines Stoffes im Geschäft anders aus, als sie tatsächlich im Tageslicht sind. Geht mit dem Stoff Richtung Fenster und betrachtet die Farbe in Ruhe.

Eine Beobachtung, die ich vor einiger Zeit bei meiner Freundin aufgeschnappt habe: Stoffproben oder Kleidungsstücke von zu Hause, mit denen ihr später kombinieren möchtet, einfach mal mit in den Stoffladen nehmen. Genial!

Online Shopping

Bei Onlineshops, bestellt Warenmuster, falls ihr Euch unsicher seid. Oft verrät das Gewicht eines Stoffes viel über die Qualität und den Fall. Recherchiert online nach Designbeispielen mit den Stoff, z.B. unter dem jeweiligen Hashtag der Marke auf Instagram oder auf Blogs. Manche Stoffhersteller haben eigene Blogs, auf denen sie Designbeispiele präsentieren.

Einfach mal „Nein“ sagen

Seitdem ich angefangen habe zu nähen, tauchen in meinem Umfeld immer wieder Leute auf, die mir Stoffe schenken möchten. Sei es aus dem eigenen Bestand oder neue Stoffe zu bestimmten Anlässen wie Geburtstage oder Weihnachten. Manche kommen auch mit alten Kleidungsstücken um die Ecke und der Vorstellung, ich könnte damit bestimmt etwas anfangen. So nett die Absichten dahinter sind, so groß ist auch die „Gefahr“, dass diese Teile bei mir vor sich hin verstauben, weil sie nicht meinen Geschmack treffen. Ich habe daher ziemlich früh angefangen, diese netten Gesten freundlich abzulehnen.

Genau so verhält es sich mit Anfragen von Stoffunternehmen für Designnähen. Ich sage Anfragen von Stoffanbietern ab, wenn ich nicht gerade ein passendes Kleidungsstück dafür im Hinterkopf habe. Weil ich nichts Überflüssiges produzieren möchte, das nicht aus meinem eigenen Wunsch heraus entstanden ist, sondern aus einem falschen Pflichtgefühl.

Schon allein für meine Buchprojekte oder für das Schnittduett haben sich so viele Stoffe angesammelt, dass ich Grenzen ziehen musste. Wenn wir unsere Schnitte für das Schnittduett planen, ist uns wichtig, für die Lookbooks nur Stoffe zu verwenden, die wir auch tatsächlich tragen. Das führt zwar dazu, dass wir wahrscheinlich nie unsere Kollektionsteile irgendwo werden ausstellen können, weil sie eventuell schon verwaschen aussehen. Aber das ist es uns dann auch Wert.

Immer das fertige Kleidungsstück vor Augen haben, nie nur den Stoff

Zugegeben, ein Stoff mit einem verrückten Muster ist auch bei mir schon oft im Einkaufskorb gelandet. Ein Liberty Stoff mit aufgedruckten Buntstiften zum Beispiel. Ich finde den Stoff heute noch mega cool. Und wenn andere sich Blusen oder Röcke daraus zaubern, kann ich mich dafür auch begeistern. Aber ich selbst konnte mir einfach nicht mehr vorstellen, was ich daraus nähen könnte, das ich auch wirklich anziehe. Ich bin einfach nicht der Typ für solche Muster. Also habe ich ihn bei einem Stoffetausch dann doch abgegeben. Seitdem werde ich keinen Stoff mehr kaufen, wenn ich mir nicht das fertige Kleidungsstück an mir vorstellen kann.

Einen Stoff nicht nur deswegen kaufen, weil er im Angebot ist.

Stehe ich vor Schnäppchen, gehe ich vorher trotzdem meinen Prinzipienkatalog durch. Passt der Stoff nicht dazu, lasse ich ihn liegen. Ich habe es mir abgewöhnt, Stoffe nur zu kaufen, weil sie gerade supergünstig sind. Generell gebe ich inzwischen gern mehr Geld für Stoffe aus, wenn ich weiß, dass die Qualität stimmt. Es werden am Ende Kleidungsstücke, an denen ich noch lange Spaß haben werde.

Zeit nehmen für Recherche

Zu guter Letzt eher ein Tipp, denn dieser Punkt gehört nicht wirklich zu meinen Prinzipien. Aber er hilft dabei, ein Gefühl für den Fall von unterschiedlichen Stoffen an fertigen Kleidungsstücken zu bekommen. Es lohnt sich, Zeit in Offline-Recherche in Bekleidungsgeschäften zu investieren. Dabei ignoriere ich eher die gängigen großen Ketten, weil sie mich mittlerweile sehr stressen. Ich gehe gern in Ruhe in Boutiquen, die hochwertigere Kleidungsstücke anbieten und probiere an. Wie fallen die Kleidungsstücke mit bestimmten Stoffen? Welche Stoffe werden genutzt? In welchen Farben und Mustern fühle ich mich wohl? Womit könnte ich kombinieren? Oftmals gibt es die gleichen Schnitte mit unterschiedlichen Stoffen innerhalb einer Kollektion. Gibt es Unterschiede im Fall?

Aber auch mein eigener Kleiderschrank gibt mir bereits Auskunft über meine Vorlieben bei Stoffen. Was haben die Stoffe der Kleidungsstücke die ich gerne trage, für Eigenschaften?

Das waren sie also, meine persönlichen Prinzipien für die Auswahl meiner Stoffe. Mich würde interessieren, worauf ihr bei der Stoffauswahl achtet, um Kleidungsstücke zu nähen, die ihr auch wirklich tragen werdet?

Ich bin übrigens sehr gespannt, wer diesen Monat alles mitmacht bei diesem Thema? Denn es ist vielleicht auch nicht sehr angenehm, sich mit seinen Fehlkäufen auseinanderzusetzen. Umso spannender finde ich aber den Umgang damit.

Das Link-Up-Tool steht Euch unten zum Verlinken bereit. Wer heute erst dazu gestoßen ist, kann sich unter meinem ersten Post nochmal die Intention hinter #12ausdemstoffregal durchlesen und vielleicht seid ihr ja ab dem 1. Mai (am Mittwoch geht’s wieder weiter!) mit dabei, wenn ich das neue Thema verkünde!

Rechts in der Blogleiste habe ich auch alle Posts zu dem Thema einmal nacheinander aufgereiht, damit ihr durch die alten Post stöbern könnt.

Verwendet auf Facebook und Instagram gern den Hashtag #12ausdemstoffregal, unter dem ich alles zu dem Thema sammeln möchte. Gern könnt Ihr mich @tweedandgreet taggen oder markieren, damit Eure Kreationen und kreativen Prozesse nicht untergehen!

Eine wichtige Bitte habe ich noch: Bitte verlinkt Eure Posts am 27.03. nur, wenn es Fotos sind, die ihr selbst gemacht oder die ausdrückliche Erlaubnis habt, die Fotos zu verwenden. Falls ihr Fotos von anderen Menschen macht, gerade wenn Ihr etwas für andere näht, bitte ich Euch, dessen ausdrückliche Erlaubnis einzuholen, dass ihr die Fotos online verlinken und verwenden dürft. Das sollte aber eigentlich auch jedem, der online Inhalte zur Verfügung stellt, klar sein, also nichts Neues in Bloggerhausen.

Habt einen wunderbaren Tag, ihr Lieben! Wir genießen noch die letzten Tage unseres Osterurlaub in England!

Liebste Grüße,

Eure Selmin

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2 Kommentare

  1. Antworten

    Melanie

    27. April 2019

    Wie gut, dass du deinen Stoff weitergeben konntest. Werden wir erfahren, was daraus entstehen wird/ entstanden ist? Das würde mich sehr interessieren. 😉

    • Antworten

      Selmin von Tweed & Greet

      27. April 2019

      Huhu liebe Melanie! Da ich den Stoff ohne jegliche Bedingung verschenkt habe, hab‘ ich nicht beabsichtigt, bei der neuen Besitzerin nachzufragen. Sie kann damit machen, wann und was sie möchte.☺️💙

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