Tipps für’s Nähen mit Ringel- und Streifenstoff

Mittlerweile ist es hier auf dem Blog ja kein Geheimnis, dass ich ein ziemlicher Ringel- und Streifenfreak bin. Ich liebe Klamotten mit Streifen in allen Formen und Farben. Und ich bin besessen davon, dass meine Streifen beim Nähen aufeinander passen oder eine gewisse Logik bei der Anordnung haben. Man sollte meinen, dass ich bei all dieser Streifenliebe schon längst einen Blogpost mit Tipps für’s Streifennähen verfasst haben sollte. Trotz der Fragen, die ich dazu regelmäßig bekomme, habe ich das bisher vernachlässigt und lieber jede Frage einzeln beantwortet. Aber diesmal kann ich mit gutem Gewissen auf diesen Blogpost verweisen! Yes!

Gerade verlaufende Streifen bei einem Kleidungsstück und gleichmäßige Streifenübergänge an den Seitennähten sind kein Hexenwerk, es bedarf einfach nur der richtigen Technik beim Zuschneiden und zusammenstecken.

Ich zeige Euch heute die Punkte auf die ich beim Nähen achte anhand eines Oberteils. Fast. Da mein Bedarf an gestreiften Oberteilen momentan mehr als gedeckt ist, gibt es das Tutorial mit einem Minimodell unseres Schnittduett Modular U-Boot-Shirts. Das war sehr schnell und unkompliziert fotografiert und die niedliche Größe hat mir sehr viel gute Laune beschert. Wieso bin ich da nicht früher drauf gekommen? Ich denke, dass man das Prinzip auch in dieser Minifassung versteht. Ansonsten einfach jederzeit gerne fragen. Bevor ihr loslegt mit dem Nähen, empfehle ich Euch, den Text einmal komplett zu lesen.

Streifenstoff waschen und vorbereiten

  • Es kann passieren, dass sich Streifen oder Ringel beim Waschen verzerren. Gerade bei Webware ziehen sich die Fäden an den Seiten heraus und aus der Maschine kommt ein Fransenbündel. Aber auch bei Jersey oder Sweat verziehen sich die Streifen manchmal gern an den Schnittkanten.
  • Etwas Abhilfe schafft das Sichern der Schnittkanten mit einer geraden Naht oder das Versäubern mit der Overlock. Haltet Euch an die Waschvorgaben des Herstellers und stellt die Umdrehungen der Maschine auf Feinwäsche, damit der Stoff nicht unnötig stark geschleudert wird.
  • Begradigt beim Auflegen des Stoffes eventuell schiefe Enden mit der Schere. Dabei werden schiefe Linien angeschnitten. Hier legt ihr die Schnittteile gleich nicht auf.
  • Beim Auflegen des Schnittes auf den Stoff, beginnt nicht zu sehr an der Schnittkante, da Streifen sich besonders hier gern verzerren, sondern eher ca. 10 cm darüber.

Vorder- und Rückenteil mit Streifenstoff zuschneiden

  • Legt den Stoff einlagig in voller Breite auf eine glatte Oberfläche. Er sollte beim Zuschnitt nicht – wie sonst üblich – doppelt liegen, da sich die Linien dabei verschieben können. Startet mit dem Vorder- oder Rückenteil und orientiert Euch an der Saumkante. Sie sollte bündig auf einer Linie liegen. Achtet aber gleichzeitig auch darauf, den angegebenen Fadenlauf einzuhalten. Falls der Saum gerundet ist, zieht eine waagerechte Linie zum Fadenlauf und legt den Schnitt so auf, dass er mit den Streifen parallel verläuft. Steckt den Schnitt mit Stecknadeln am Stoff fest. Die Stecknadeln könnt ihr bereits jetzt schon so stecken, dass sie genau entlang der Linien verlaufen (das war bei meinem Minimodell nicht so gut möglich).
  • Ist Euer Schnittteil im Stoffbruch zuzuschneiden, wie hier mein Shirt, schneidet den Schnitt nur entlang der Seite, dem Saum, der Schulternaht und dem Halsausschnitt aus, die Mitte mit dem Stoffbruch lasst ihr bestehen.
  • Schnittteile von Vorder- und Rückteilen die ohne Stoffbruch spiegelverkehrt doppelt zugeschnitten werden müssen, schneidet ihr rundherum aus.
  • Euer Schnittteil im Stoffbruch, klappt Ihr nun am Stoffbruch um, mit der Papierseite nach unten, auf die andere Seite des Stoffes.
  • Einen doppelt zuzuschneidenden Schnitt legt ihr mit der Papierseite nach unten auf den Stoff.
  • Platziert den Stoff so, dass alle Linien exakt aufeinandertreffen. Falls ihr einen Stoff verwendet, bei dem man die Streifen von der linken Seite auch gut sieht, wirkt das Schnittteil vor lauter Streifen nun „versteckt“.
  • Steckt das Schnittteil mit Stecknadeln an den Streifen fest. Dabei verlaufen die Stecknadeln jeweils entlang einer Streifenlinie. Steckt Ihr eine Stecknadel an die Längslinie eines Streifens, kontrolliert auf der unteren Stoffseite, ob die Nadel dort genau entlang der selben Längslinie verläuft. So seid Ihr sicher, dass die Streifen später waagerecht zugeschnitten sind und am Körper nicht schief sitzen werden.
  • Schneidet das Vorderteil nun aus.
  • Schneidet das Rückteil auf die gleiche Art und weise zu. Achtet darauf, dass die Saumkante des Rückteils auf der gleichen Linie platziert ist, wie das Schnittteil des Vorderteils. So klappt später das Zusammennähen an den Streifenübergängen.

Ärmel aus Streifenstoff zuschneiden


  • Legt das Ärmelschnittteil auf den einlagig ausgelegten Stoff. Die Saumkante liegt auf einem der Streifen. Achtet aber auch darauf, dass der Fadenlauf eingehalten wird. Steckt den Ärmelschnitt auf den Stoff.
  • Schneidet ihn rundherum aus.
  • Legt jetzt das Schnitttteil mit der Papierseite nach unten erneut auf den Stoff. Auch hier gilt: Platziert den Stoff so, dass alle Linien exakt aufeinandertreffen. Falls ihr einen Stoff verwendet, bei dem man die Streifen von der linken Seite auch gut sieht, wirkt das Schnittteil vor lauter Streifen „versteckt“.
  • Steckt das Schnittteil mit Stecknadeln fest. Dabei achtet ihr darauf, dass die Stecknadeln jeweils entlang der Streifen verlaufen, kontrolliert auf der unteren Stoffseite, ob die Nadel dort genau an der selben Längslinie verläuft. So seid Ihr sicher, dass die Streifen später waagerecht zugeschnitten sind und nicht schief werden.

Schulternähte mit Streifen schließen

  • Wenn Ihr die Schnittteile zusammensteckt, legt genau die Schulternähte und Armausschnittkanten aufeinander. Sind an den Schultern Streifen vorhanden, steckt die Stecknadeln jeweils genau entlang einer Linie auf die Streifen. Es kann sein, dass sie dabei Diagonal zur Schulternaht verlaufen. Achtet darauf, dass die Stecknadeln, wenn ihr sie durch das Vorderteil führt, auf dem Rückteil genau auf der gleichen Streifenlinie platziert sind, so dass Linien gleich nahtlos zusammengenäht werden.

Ärmel mit Streifen einsetzen

  • Beachtet, dass es an Schulternähten oder Armrundungen oft nicht passt, dass alle Linien aufeinandertreffen. Es reicht meist, wenn Ihr Euch an den Streifen orientiert, die auf „natürliche“ Weise zusammenpassen und diese bewusst mit einer Stecknadel zusammensteckt.

Seitennähte mit Streifen schließen

Schließt ihr Seitennähte, beginnt ihr am Ärmelsaum zu stecken und arbeitet Euch runter bis zum Oberteilsaum. Wenn ihr den Ärmel vor dem Einsetzen an Vorder- und Rückenteil zusammennäht, beginnt ihr auch hier am Saum. Sollte beim Zuschnitt etwas schief gelaufen sein, und das aufeinanderstecken nicht mehr funktionieren, passiert dies nun eher in Richung Armloch. Eventuelle Fehler fallen dort nicht so sehr auf, wie unten am Ärmelsaum.

Achtet beim Stecken auch hier immer darauf, dass ihr mit der Nadel in Richtung der Streifen entlang einer Ober- oder Unterkante des Streifens steckt.

Nahtzugabe beachten beim Stecken der Streifen

Die Nadel sollte am Vorderteil entlang derselben Linie verlaufen wie am Rückteil, damit die Linien nahtlos verlaufen. Achtet aber unbedingt darauf, dass das auch innerhalb der Nahtzugabe der Fall ist. Es kann passieren, dass sich die Linien genau an der Kante treffen, aber dort wo später die Naht verläuft, schon wieder voneinander abweichen, so dass die Streifen nach dem Zusammennähen nicht aufeinanderliegen. Steckt die Stecknadeln also so weit wie die Nahtzugabe reicht.

Steckt beide Seiten auf diese Weise sorgfältig zusammen und näht vom Ärmelsaum herunter bis zum Oberteilsaum.

Zack, habt ihr ordentliche Streifenübergänge genäht! Herzlichen Glückwunsch!

Viel Spaß mit Eurem neuen Lieblingsstück!

Liebste Grüße,

Eure Selmin

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